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Steinbeis M&I Publikation 2/2018

Smart Money - Blockchain und ICOs


Christian SchulteSteinbeis: Christian, ihr seid sehr aktiv im Bereich Smart Money Venture Capital. Wie sieht du die aktuelle Entwicklung bei der Finanzierung von jungen wachsenden Unternehmen?

Christian: Die zurückliegenden Jahre waren sehr erfolgreich und wir sind auch in diesem Jahr sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung von unseren Smart Money Venture Aktivitäten. Es gibt eine Reihe von Unternehmen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, IoT und Energie, die wir im Rahmen von Smart Money Venture Capital aktuell flankieren.

Steinbeis: Neben Künstlicher Intelligenz und IoT, ist Blockchain in aller Munde, es gibt unzählige Konferenzen, Beiträge zur Blockchain und viele Startup Unternehmen. Wie seht ihr das Thema?

Christian: Blockchain ist aus unserer Sicht ein Thema, das insbesondere durch die Kryptowährungen einen entsprechenden Hype erfährt. In den Bereichen Trade Finance, Securities und Supply Chain gibt es aus unserer Sicht eine Anzahl von sehr interessanten praxisrelevanten Anwendungen, die auch umfassende Finanzierungsplattformen beinhalten. Celsius Network aus Amerika und Globacap, ein Unternehmen aus England, sind z.B. interessante Beispiele für moderne Finanzierungsplattformen, die auch für institutionelle Finanzierungsgeber interessant sind. An Globacap sind wir z.B. seit der Seed Phase beteiligt und flankieren das Unternehmen entsprechend.      

Steinbeis: Einige Unternehmen aus diesem Bereich finanzieren sich teilweise über ICOs.

Christian: Das ist richtig. Alleine zwei Unternehmen, Telegram und EOS, haben in 2018 zusammen gerechnet US 5,7 Milliarden durch ihre ICOs eingenommen. Der überwiegende Teil der ICOs weisen momentan Finanzierungsvolumina von US 50 – 200 Millionen auf.  Man muss sich das im Einzelfall sehr genau anschauen. Wir schätzen, dass die Ausfallrate bei Unternehmen, die sich in diesem Bereich in den letzten zwei Jahren insbesondere über ICOs finanziert haben, sehr hoch sein wird.

Steinbeis: Woran liegt das aus eurer Sicht?

Christian: Viele ICOs wurden auf der Grundlage von sog. „Whitepapern“ emittiert. Es handelt sich hierbei oft um Unternehmen mit entsprechenden Ideen, aber überwiegend ohne Proof of Concept und Marktet Proof. Das bedeutet im Klartext, dass sich die Unternehmensidee erst einmal in der Praxis beweisen muss. Es handelt sich also überwiegend um Pre Seed oder Seed Finanzierungen mit hohen Unternehmensbewertungen. Die Ausfallraten in diesem Unternehmensstadium sind entsprechend hoch.  

Steinbeis: Das bedeutet: Abstand halten von dieser Asset Klasse?

Christian: Nein, das kann man so pauschal nicht sagen. Wenn man das zu Grunde legende Underlying prüft, d.h. das Unternehmen, das Management, das Team und das Geschäftsmodell analysiert und die Skalierung versteht, dann findet man „die Perlen“, in die es sich lohnt zu investieren. Die Asset Klasse der ICOs ist relativ neu und entwickelt sich gerade. Milestone basierte Auszahlungen, eine entsprechende staatliche Regulierung und professionelle Investoren forcieren den Reifeprozess dieser Asset Klasse in den nächsten Monaten und Jahren. 

Steinbeis: Was bedeutet das für euren Smart Money Venture Ansatz?

Christian: ICOs stellen aus unserer Sicht eine von vielen Finanzierungsmöglichkeiten für junge Unternehmen dar. Smart Money Venture Capital ist eine Kombination aus Finanzierung und Sales Unterstützung und das hat in der Kombination eine hohe Relevanz für die Unternehmen, die das in Anspruch nehmen, denn sie erhalten durch Smart Money neben der Finanzierung einen Zugang zu den Entscheidungsträgern Ihrer Zielunternehmen auf der Kundenseite. Junge wachsende Unternehmen mit einem Market Proof und Proof of Concept verstehen diesen Mehrwert und nehmen diesen gerne in Anspruch.


 

Steinbeis M&I Publikation 1/2018

Smart Money – IOT und Künstliche Intelligenz

 

Steinbeis: Ihr wart Anfang April wieder einige Tage auf der Hannover Messe. Welche Eindrücke habt ihr im Bereich IoT mitgenommen.

Christian: Auf der Hannover Messe geht es im Bereich IoT vor allem um die industrielle Fertigung.  Es ist beeindruckend zu sehen wie weit gerade deutsche Unternehmen in diesem Bereich sind.  Daneben gibt es im IoT Umfeld viele Anwendungen im Medizin- und Automotivesektor.

Steinbeis: Wie schätzt ihr das Potential von IoT in den nächsten Jahren ein?

Christian: Nach Gartner gibt es im Jahr 2020 ca. 25 Milliarden IoT Devices, zur Zeit gibt es ca. 5 Milliarden Devices. Das verdeutlicht das Potential von IoT Anwendungen industrieübergreifend. Deshalb haben wir uns kürzlich zusammen mit anderen privaten Investoren an der NBT AG, einem IoT Company Builder aus Berlin beteiligt. Es ist die Kombination aus IoT und Künstlicher Intelligenz, die bereits heute und insbesondere in Zukunft in der Industrie relevant sein wird.

Steinbeis: Was heißt das konkret?

Christian: Das Stichwort lautet: intelligente Fabrik. In den letzten Jahren haben die Unternehmen ihre Produktionsstraßen und Fabriken vernetzt, jetzt geht es vor allem darum aus den Daten neue Erkenntnisse zu gewinnen – z.B. durch maschinelles Lernen.

Steinbeis: Maschinelles Lernen beschreibt als KI-Teilbereich die Fähigkeit von Software, sich auf Basis ihrer bisherigen Interaktionen mit der Umwelt selbst anzupassen und zu verbessern. Welche Bedeutung hat das im Bereich der Produktion?

Christian: Das bedeutet: Wie der Mensch durch Erfahrung lernt und sein Verhalten anpasst, verhält sich auch ein solcher Programmcode. Verwenden Unternehmen intelligente Software in ihren Produktionsanlagen, ist diese in der Lage, in großen Datenmengen die Verhaltensmuster von Maschinen zu analysieren. So lassen sich dann Ausfälle einzelner Bauteile voraussagen, Störungen und Ursachen im vornherein erkennen. Unternehmen können dann z.B. auch Servicearbeiten mit Vorlauf einplanen.

Steinbeis: Welche Unternehmen seht ihr in diesem Bereich als Vorreiter?

Christian: Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die aus unserer Sicht als Zulieferer in diesem Bereich Akzente setzen wie z.B.: Beckhoff Automation, B&R Industrie Elektronik, Balluff, SICK und PHOENIX CONTACT. Siemens hat in diesem Zusammenhang mit seinem offenem IoT Betriebssystem eine gute Grundlage für den Einsatz von   Künstlicher Intelligenz in Produktionsbetrieben geschaffen. So kann die Software durch Analyse der Betriebsdaten und durch die Messung von Sensoren erkennen, ob im Produktionswerk oder der installierten Automatisierungslösung Anomalien auftreten, die zu Produktionsstörungen führen.


 

Steinbeis M&I Publikation 1/4 2017

Smart Money


Christian SchulteSteinbeis: Christian, ihr beschäftigt euch seit längerer Zeit auch mit jungen wachsenden Unternehmen und dem Thema "Smart Money". Was versteht ihr darunter?

Christian: Smart Money besteht aus zwei Komponenten: 1. Eigenkapital für wachsende Unternehmen beginnend ab EUR 1 Million und 2. Unterstützung des Unternehmens im Bereich Business Development/Vertrieb, strategisch wie auch ganz praktisch operativ.  

Steinbeis: Warum ist das für die wachsenden Unternehmen wichtig?

Christian: Es gibt im Fußball einen Spruch: "Geld allein schießt noch keine Tore". Dafür braucht es ein gut funktionierendes Team und Stürmer, die den Ball über die gegnerische Linie drücken. Wir sehen bei den meisten wachsenden Unternehmen im Bereich Kapital und Vertrieb die wesentlichen Engpassfaktoren. In beiden Bereichen flankieren wir die Unternehmen.

Steinbeis: Worauf achtet ihr in diesem Zusammenhang?  

Christian: Der überwiegende Anteil der jungen Unternehmen, die wir uns anschauen, haben  den Proof of Concept erbracht und haben bereits einige Kunden. Das Unternehmen befindet sich nun in der nächsten Wachstumsstufe und hier fehlt es dann an Geldmitteln und an vertrieblicher Unterstützung. Oft sind die Gründer die besten Verkäufer Ihres Produktes. Damit der nächste Wachstumsschritt gelingt, muss der Verkaufserfolg reproduzierbar gemacht werden und der Vertrieb muss strategisch und operativ weiterentwickelt werden.

Steinbeis: Wie sieht das dann praktisch aus?

Christian: Im Vertrieb / Business Development ist das abhängig vom Unternehmen und von dessen Dienstleistungen bzw. den Produkten. Von der Konzeption und Kaltakquise bis zum Ausbau von Key-Account Kunden ist alles mit dabei. Wir haben kürzlich für ein Unternehmen mehrere große Kunden im B2B Bereich gewonnen und unterstützen das Unternehmen dabei die Kundenbeziehungen weiter auszubauen.   

Steinbeis: Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang eure bestehenden Netzwerke?

Christian: Wir verfügen über einen direkten Zugang zu mehr als 300 inhabergeführten und börsennotierten Unternehmen im DACH Raum auf Geschäftsführungsebene. Das ist sehr hilfreich, weil wir einen Top Down Ansatz verfolgen und effizient und zeitnah Verkaufspotentiale eruieren und heben können. Parallel hierzu generieren wir auch außerhalb unseres Netzwerkes Leads für das Unternehmen.  

Steinbeis: Kommen wir noch einmal näher auf das Thema Eigenkapital zu sprechen. Welche Volumina werden nachgefragt? Wie sieht der Prozess bis zur Auszahlung aus und aus welchen Ländern kommen die Unternehmen?

Christian: Wir konzentrieren uns auf Unternehmen in Investmentphasen von Late Series-A, B oder C mit einem Finanzierungsbedarf von ca. EUR 1 - 20 Millionen. Die entscheidenden Kriterien sind TTS: Team, Technik und Skalierbarkeit. Der gesamte Prozess bis zur Auszahlung dauert in der Regel 6-10 Wochen und gliedert sich in drei Schritte: 1. Analyse der Investorenunterlagen 2. Gespräche mit unseren Investoren im Rahmen einer Roadshow und 3. Das Closing und die Auszahlung des Kapitals an das Unternehmen. Geografisch haben wir eine Präferenz für Unternehmen in Europa und haben keinen bestimmten Branchenfokus.


 

Steinbeis M&I Publikation 2/4 2016

Erfolgsfaktoren bei der Finanzierung von jungen wachsenden Unternehmen


Steinbeis: Christian, ihr schaut euch über das Jahr verteilt viele Unternehmen an, die Beteiligungskapital suchen. Worauf achtet ihr?

Christian: Für uns gibt es neben vielen Aspekten drei wesentliche Themen: Das Team, die Technik und die Skalierbarkeit der Dienstleistung / des Produktes. Entscheidend ist für uns, wie belastbar und erprobt das Team hinter dem Unternehmen ist und ob dieselben Ziele und Visionen von der Führungsmannschaft verfolgt werden. Das ist ein sehr komplexes Thema, das man nicht einfach mit einer Checkliste abhaken kann.

Steinbeis: Wie geht ihr dabei vor?

Christian: Man muss das Team kennenlernen, die wesentlichen Protagonisten in Form der Gründer und des Top Managementteams, damit man sich ein Bild machen kann. Einer der Hauptgründe für das Scheitern von jungen Unternehmen liegt oft im Team begründet. Von daher lohnt es sich dort sehr genau hinzuschauen und Zeit zu investieren.

Steinbeis: Und das Thema Skalierbarkeit?

Christian: Hier beschäftigen wir uns mit der Frage, wie hoch ist das Potential und die Verbreiterungsmöglichkeit der vom Unternehmen angebotene Dienstleistung/Produkt einzuschätzen. Unternehmen wie Kreditech, Crowdfox und Mapudo sind gute Beispiele für skalierbare Geschäftsmodelle.

Steinbeis: Und gleichzeitig auch Produkte, die begeistern...

Christian: Es stimmt, wir sind oft von den Dienstleistungen oder Produkten begeistert, das ist aber nicht entscheidend. Viel wichtiger ist aus meiner Sicht die Frage: Adressiert das Produkt eine echte Problemlösung unter den Zielkunden, die als wichtig und wertvoll wahrgenommen wird, weil sie Zeit- und/oder Geldvorteile generiert? Wenn man das analysiert hat und kommt hier auf Grund der Kundenfeedbacks zu einer positiven Antwort, dann ist das eine gute Voraussetzung dafür, dass das Produkt mit der richtigen Vertriebsstrategie eine hohe Skalierung erfährt.

Steinbeis: Venture Capital ist doch in frühen Finanzierungsrunden oft ausreichend verfügbar, in späteren Phasen wird es aber schwieriger für Unternehmen. Wie seht ihr das ?

Christian: Das sehen wir ähnlich, in der Seedphase ist oft genug Geld verfügbar. Später wird es aber für viele Unternehmen tendenziell schwieriger sich zu finanzieren. Das hat auch damit zu tun, dass bei der anstehenden Expansion des Unternehmens andere Geldbeträge gefordert sind als am Anfang und das Unternehmen oft viel Zeit in der Ansprache von neuen potentiellen Finanzierungsgebern braucht. Hier geht es dann in der Ansprache nicht um Masse, sondern Klasse, sonst geht wertvolle Zeit verloren.


 

unternehmer magazin 3/4 2014

Starker Anbieterwettberwerb - Finanzierungen im Sonderangebot


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Die Aussage des kaufmännischen Leiters eines mittelständischen Maschinenbauers ist hier beispielhaft zu verstehen: »Die Zinskonditionen und die Ausgestaltung der Covenants haben meinen Gesellschaftern und mir so zugesagt, dass wir sehr lange Laufzeiten gewählt und uns für einen höheren Finanzierungsbetrag, als eigentlich geplant, entschieden haben.« Dieses Unternehmen hat Anfang Juni von institutionellen Geldgebern im Zuge einer Wachstumsfinanzierung langfristige Darlehen mit Laufzeiten von sieben und zehn Jahren erhalten. Die vereinbarte Verzinsung lag im siebenjährigen Bereich fix bei 2,4 % p.a. und im zehnjährigen Bereich bei 2,7 % p.a. Gute Bonität und der niedrige Basiszinssatz sind die wesentlichen Einflußfaktoren für diese günstige Unternehmensfinanzierung.

Hintergrund ist, dass die Zinsen für Unternehmen zum Teil deutlich gesunken sind. Der Firmenkundenmarkt ist umkämpft, so dass auch die Margen kleiner wurden. Neben den deutschen Instituten sehen zudem Auslandsbanken und institutionelle Geldgeber wie Pensionskassen und Stiftungen gute Chancen, sich in dem Segment zu engagieren. Der starke Anbieterwettbewerb drückt die Profitabilität und schmälert die Erträge.

Generell belasten die aktuelle Niedrigzinspolitik der Notenbanken und die Auswirkungen von »Basel III« bei Kreditinstituten das Geschäft. Hinzu kommt, dass die Unternehmen keinen gesteigerten Finanzierungsbedarf haben. Mit der verhaltenen Kreditnachfrage aber sinkt auch ihr Interesse an Provisionsprodukten. Dadurch fehlen Banken Erträge aus dem Auslandsgeschäft, aus dem »Cash-Management«, aus dem Factoring und dem Derivatebereich. Dasselbe gilt auf der anderen Seite für das Passivgeschäft mit den Spar- und Kontokorrenteinlagen.

Trotz des harten Wettbewerbs aber werden die Kreditkonditionen wohl noch eine Weile auf dem jetzigen Niveau verharren. Keine Bank gibt ihre Marktposition freiwillig auf, zumal Firmenkunden zum Kerngeschäft vieler Institute zählen. Sollte es jedoch auf Sicht unmöglich sein, die Erträge und die Profitabilität zu steigern, ist zu erwarten, dass sich manche Anbieter aus Segmenten und Branchen ganz zurückziehen werden.

Im Übrigen könnten die höhere Eigenkapitalanforderung für Banken und die höhere Unterlegung der ausgereichten Mittel in den einzelnen Risikoklassen zum Abbau von Kreditportfolien führen. Dieses Szenario hätte eine Kreditverknappung zur Folge. Insofern ist für Gelder, die länger als ein Jahr laufen, im Zuge der Einführung von »Basel III« mit steigenden Preisen zu rechnen. Zudem induzieren die fristenkongruente Refinanzierung und die Niedrigzinspolitik Ertragsprobleme. Insofern ist auch die Verkleinerung der Bankenlandschaft denkbar. Fusionen würden dann für Anpassung sorgen.

Aus Sicht von Unternehmen ist die Lage vorteilhaft, da sie ihre Verhandlungsposition stützt. Viele Firmen nutzen die Situation ja auch, um ihre Kreditlinien zu verhandeln, wobei es oft darum geht, die Preise, die Sicherheiten und die Laufzeiten neu festzulegen oder vorzeitig zu verlängern. Große und größere Unternehmen stellen sich breiter auf. Sie nutzen die Option, sich als weiteren Baustein Finanzierungen von Institutionellen mit langfristigen Laufzeiten zu holen.

In diesem Sinne ist der erklärte Wunsch eines CFO, eine Akquisitionsfinanzierung mit einer mindestens zehnjährigen Laufzeit darzustellen, nur zu verständlich. Da alles stimmte, hat sein Unternehmen aus der Lebensmittelbranche die Mittel von bankenunabhängigen Finanzierungsgebern erhalten. Schließlich ist es noch nicht so lange her, als Kredite deutlich teurer wurden und vor allem für Unternehmen mit schlechterer Bonität schwer zu erlangen waren. Außerdem wurden bestehende Kreditlinien zum Teil gestrichen. Insofern spielt heute außer der Laufzeit und der Verzinsung die Herkunft der Mittel eine Rolle.

Mittelständler sollten also ihren Bedarf für die nächsten Jahre prüfen und die tiefen Zinsen nutzen, um sich jetzt ihre Finanzierungen zu sichern. Die Nutzung neuer Bausteine, etwa von institutionellen Geldgebern, stärkt die Unabhängigkeit von Banken. Spätestens dann, wenn sich die Zeiten wieder ändern, wird diese Diversifizierung belohnt.

Dieter Dorn und Christian Schulte, Managing Partner, Steinbeis BZ Mittelstandsfinanzierung & Investments, Frankfurt/M.


 

Frankfurter Allgemeine Zeitung

FAZ Beilage vom 30. September 2013

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Zusätzliche Finanzierungssäule als Stabilitätsanker

Fremdkapitalfinanzierung durch institutionelle Finanzierungsgeber


„Bei vier bis maximal fünf Jahren ist Schluss - längere Laufzeiten bei der Finanzierung sind mit den Hausbanken nicht  möglich“, eine Aussage, die man von vielen Finanzverantwortlichen im persönlichen Gespräch hört. Die fortwährende Finanzkrise und die Vorgaben von Basel III sind zwei wesentliche Gründe, die dafür sprechen, dass sich daran in absehbarer Zeit nichts ändern wird.

Viele Investitionen und Finanzierungsprojekte, die Unternehmen stemmen müssen -  wie u.a.  Produktionsausweitungen, Erschließung und Ausbau neuer Geschäftsfelder, sowie der Erwerb von anderen Unternehmen, weisen oft eine wesentlich längere Finanzierungsdauer als 3-5 Jahre auf. Das hat zur Konsequenz, dass sich die Unternehmen spätestens nach 2-3 Jahren Finanzierungslaufzeit um eine Anschlussfinanzierung kümmern müssen. Das ist mit einer Vielzahl von Risiken verbunden: dem zur Zeit der Refinanzierung herrschenden Zinsniveau, der makroökonomischen Entwicklung und der Unternehmenssituation.

Das derzeitig niedrige Zinsniveau, lange Laufzeiten und die Nutzung einer zusätzlichen  bankenunabhängigen Fremdkapitalquelle sind die wesentlichen Gründe für Unternehmen Fremdkapital von institutionellen Finanzierungsgebern in Anspruch zu nehmen. Family Offices und Stiftungen spielen in diesem Zusammenhang als Kapitalsammelstelle eine wesentliche Rolle. Die zur Verfügung stehenden Gelder werden langfristig veranlagt und  können auch in Form von Unternehmenskrediten ausgereicht werden. 5-12 Jahre Finanzierungslaufzeit, EUR 20 Millionen – EUR 200 Millionen Finanzierungsvolumen pro Unternehmen,  keine Begebung von Sicherheiten, Bullet Struktur oder variable Tilgung - das sind die Eckdaten. Die Verzinsung der Fremdkapitalmittel wird zu Beginn für die gesamte Laufzeit fixiert, so dass die Unternehmen von dem derzeitig niedrigen Zinsniveau langfristig profitieren. Die Höhe des Zinskupons ist in dem Zeitpunkt der Fixierung abhängig von den langfristigen Kapitalmarktzinsen und der Bonität des jeweiligen Unternehmens. Vom Erstgespräch bis zur Auszahlung der Finanzmittel vergehen oft weniger als acht Wochen. In der Praxis werden die zufließenden Mittel von dem Unternehmen u.a. genutzt für Investitionen, als strategische Kriegskasse sowie für die Ablösung kurzfristiger Finanzierungsmittel. Kürzlich wurde einem inhabergeführten Unternehmen in NRW im Rahmen einer Akquisitionsfinanzierung rund EUR 200 Mio. mit einer Laufzeit von 10 Jahren, endfällig von institutionellen Finanzierungsgebern zur Verfügung gestellt. Die Konditionen waren im Vergleich zu den kurzfristigen Finanzierungsmitteln der Banken günstiger. Nicht nur das Unternehmen ist sehr zufrieden mit der Lösung, sondern die beteiligten Banken schätzen ebenfalls die Flankierung von langfristigen Mitteln durch andere Finanzierungsgeber.

Diese Finanzmittel stellen in der Unternehmensfinanzierung neben der herkömmlichen Bankfinanzierung eine zweite Finanzierungssäule dar, die bei weiteren Finanzierungen des Unternehmens mit wächst. Family Offices und Stiftungen denken und handeln ähnlich wie inhabergeführte Unternehmen, es geht darum vorhandene Unternehmenswerte für die nächste Generation zu sichern. Daher sind auch Finanzierungsmittel, die aus dieser Quelle stammen, eine stabile und langfristige Ausgangslage für weiteres Unternehmenswachstum und tragen dazu bei, dass die Finanzierungsstruktur eines Unternehmens ausgewogener und fristenkongruenter wird. 

Ein Artikel von Christian Schulte / Managing Partner Steinbeis Mittelstandsfinanzierung und Investments